L A T C H O - L A T C H O - Russian Gypsy Music
Eine Sage der Roma erzählt...
 
 
 
 
Eine Sage der Roma erzählt, dass die Zigeuner lange Zeit Vögel gewesen seien. Eines Tages - während sie über die Erde flogen - erblickten sie einen goldenen Palast und landeten, um ihn zu betrachten. Die Bewohner des Palastes,die Truthähne, Enten und Hühner, die von der Schönheit der Zigeuner geblendet waren, begannen sofort, ihnen Edelsteine und Süssigkeiten zu schenken. Die Zigeuner wurden inständig gebeten zu bleiben. Und bald waren alle Zigeuner von Kopf bis Fuß mit goldenen Ketten übersäht. Nur ein Zigeuner widerstand und wollte die Anderen zum Weiterflug bewegen. Leider hörte niemand seine Warnung. Da erhob sich der Unglückliche in die Lüfte und stürzte sich vom Himmel herab auf die Steine. Nun erwachten die Zigeuner aus ihrem Wahn, aber sie ver-mochten nicht den Erdboden zu verlassen, weil sie so schwer mit goldenen Ketten behangen waren. Die Enten, Hühner und Truthähne besangen ihren Sieg. Auf einmal flog eine kleine rote Feder in den Palast und landete direkt vor den Füßen der Zigeuner. Da fiel alles Gold von ihnen ab, aber ihre Flügel gehorchten nicht mehr.
 
 
Die kleine rote Feder aber wurde zärtlich vom Wind aus dem Palast getragen und irrte fortan über die staubigen Straßen dahin. Die Zigeuner  folgten ihr, verloren unterwegs Feder für
Feder und verwandelten sich nach und nach in Menschen. Heute sind sie -  wie wir alle  - moderne Menschen geworden, aber  Vögel in ihrer Seele geblieben, die für immer das
Fliegen verlernt haben. In der Hoffnung, das Fliegen wieder zu erlernen, folgen sie laut - der Sage - noch immer jener kleinen roten Feder über den ganzen Erdball und singen ihre Lieder. . .
 
 
 
 
 
 
Die historische Geschichte
 
 
 
 
 
 
Roma und Sinti
leben heute fern von ihrer ursprünglichen Heimat, dem indischen Punjab, einem Gebiet im nordwestlichen Indien und östlichen Pakistan. Von dort verschleppten die Araber im 9. und 10. Jahrhundert die Einwohner bei ihren Eroberungsfeldzügen . Im 11. Jahrhundert
 
 Schutzbriefe von Sigismund wieder aufgehoben. Wer einen Zigeuner auf seinem Besitz antraf, durfte ihn fortan straflos töten. 1551 erging auf dem Reichstag zu Augsburg ein Erlass, dass alle Zigeuner das Land innerhalb von 3 Monaten verlassen müssten. 1589 erlaubte eine weitere Verordnung, dass man den Zigeunern ihr Hab- und Gut wegnehmen und sie des Landes vertreiben durfte. Diese Verfolgung griff nach und nach in ganz Europa um sich. Zigeuner wurden gefangengenommen, vertrieben, erschlagen und hingerichtet. Im 30-jährigen Krieg waren die Zigeuner als Soldaten dann wieder sehr willkommen. In der zweiten Hälfte des 18. und im 19. Jahrhundert versuchte man, die Sinti und Roma im Rahmen eines neuen Integrationsprogrammes sesshaft zu machen. 
 
 
 
 
Die Vielfalt der Zigeunermusik

Die Harmonik und Melodik der Zigeunermusik fallen ganz unterschiedlich aus. Am Beispiel der Region Südosteuropa: "Liedern slowenischer Roma etwa liegen Dur-Tonleitern zugrunde, Liedern serbischer Vlach-Roma hingegen 'modale' Leitern, während Lieder der Roma in Mazedonien und Südserbien des Öfteren auf der 'phrygischen' Skala beruhen.
 
 

Zigeuner in Russland
 






Auf den weiten Landstraßen Russlands des 15. und 16. Jahrhunderts irrten Hunderte von Zigeunergruppen mit ihren Lagern in sämtlichen Richtungen umher. Von Kälte oder Unwettern überrascht, zogen die Zigeuner oft in die Nähe der Dörfer, um bei der Bevölkerung Schutz zu suchen. Die Bauern ließen sie voller Mitleid in ihre Häuser, denn im Gegensatz zu allen anderen europäischen Staaten wurden die ursprünglich aus Nordindien eingewanderten Menschen in Russland  niemals verjagt und verfolgt. Gemeinsam kämpften sie gegen den harten Winter. Man aß und trank am selben Tisch und das fahrende Volk lernte die russischen Lieder seiner freundlichen Gastgeber. Gleichzeitig pflegten die Zigeuner  ihre eigene Musik, gesungen in Romanes,  einer Sprache, deren Wurzeln ins indische Sanskrit zurück reichen.
 










Unter Zarin Katharina der Großen wuchs
im 18. Jahrhundert dann auch das  Interesse der herrschenden Klasse an den Zigeunern.  Eine Legende besagt, dass ein Favorit der Zarin, der Graf Orlov, in Moldawien Zigeunermusik gehört hatte. Er war so begeistert, dass er eine Gruppe von Musikern mit nach Hause brachte.  In der Folge leisteten sich fast alle Fürsten und Aristokraten Russlands ein eigenes Ensemble. In Adelskreisen war es von nun an Standespflicht, einen Zigeunerchor an seinem Hof zu haben und zu fördern. Später hieß es „Das Goldene Zeitalter“, in dem man sich kaum einen der prunkvollen Bälle mit seinen Trinkgelagen und Ausschweifungen ohne die Musik der in Russland lebenden Roma vorstellen konnte.
 
 








Die siebensaitige Gitarre der Zigeuner wurde zum Lieblingsinstrument des Volkes. Man nannte sie  auch „Zigeunergitarre“ – obwohl ihr Erfinder ein Russe war.  Es gab in dieser Zeit keinen Komponisten und keinen Künstler, der sich dem Zigeunerthema entziehen konnte. Aus dieser Zeit z.B. stammt die berühmte Zigeunerromanze „Schwarze Augen“.  Viele russische Zigeunerlieder werden noch heute zweisprachig in Russisch und Romanes gesungen…
 
 
 
Nach der russischen Oktoberrevolution von 1917 wurde das nomadisierende „Zigeunerdasein“ verboten und die Menschen zwangsweise sesshaft gemacht. Viele von ihnen mussten das Land verlassen, da ihnen u.a. die Nähe zu ihren früheren aristokratischen Auftraggebern zur Last gelegt wurde. Gleichzeitig versuchte die neue Macht aber auch, die Kunst der Zigeuner zu institutionalisieren und kontrollieren:


1931 wurde das Theater »Romen« gegründet


– ein erstes von einem Staat finanziertes „Theater für Zigeuner-Künstler“, das in den kommenden Jahren – auch über die Grenzen Russlands hinaus - einige sehr berühmte Künstler hervorbringen sollte...

 
Berufe der Roma
 
  • Ambrelara: eine Untergruppe der Slowakischen Roma. Sie zogen durch das Land und reparierten Schirme (umbrella heißt auf Englisch Regenschirm)
  • Aurari: Sie waren in Rumänien Goldwäscher (aur heißt auf Rumänisch Gold), später haben sie Holzgegenstände erzeugt und verkauft.
  • Ayjides: Bärenführer in der Türkei.
  • Balaňara: Troghersteller in der Slowakei. (balaňi heißt auf Romani Holztrog)
  • Bergitska Roma: sesshafte Roma die in den Bergen an der ponlisch-slowakischen Grenze leben. Traditionelle Berufe: Musik und Handel mit Schmiedearbeiten.
  • Bohémiens nannte man die Roma in Frankreich, weil man annahm, dass sie aus Böhmen kamen..
  • Burgenland-Roma: traditionell sesshaft lebende Roma-Gruppe im Osten von Österreich, dem Burgenland. Sie haben ähnliche Familennamen wie die Roma in der Slowakei, in Slwenien und Nordungarn: z.B.: Szarközi, Rigo, Horváth. Traditionelle Berufe: Handel mit Schmiedewaren und Musik.
  • Cale oder Kale: leben in Spanien und Südfrankreich. Berufe: Musiker und Tänzer (berühmt für Flamenco-Vorführungen) und Pferdehändler, Schmiede. Ceferino Jiménez Malla, 1997 von Papst Johannes Paul II. selig gesprochen, stammt aus der Gruppe der Cale.
  • Cerhara oder Čergara (cerha bedeutet Zelt): Gruppe nomadischer Roma am Balkan.
  • Churara: Siebhersteller in Rumänien (ciur heißt Rumänisch Sieb):
  • Djambazi: ursprünglich nomadisch lebende Pferdehändler auf dem Balkan und in der Türkei.
  • Gharbilband: Siebhersteller in Persien. Sie haben denselben Beruf wie die Churara in Rumänien und die Supvala in Indien.
  • Gurbet: Nomadisch lebende Roma am Balkan; traditioneller Beruf: Pferdehändler;
  • Kale: Auch die Roma in Finnland bezeichnen sich als Kale (kalo heißt auf Romani schwarz)
  • Kalderara/Kalderaš/Kerderara: ursprünglich Kesselhersteller und -flicker in Rumänien. Heute in fast allen Ländern Europas und in Nord- und Südamerika verbreitet; (caldare heißt auf Rumänisch: Kessel)
  • Latfika-Lotfika-Roma: Lettische Roma;
  • Lovara/Lovari: ursprünglich Pferdehändler aus Rumänien; fast alle leben in Europa und in Nord- und Südamerika (ló heißt auf Ungarisch: Pferd)
  • Manouche: leben in Frankreich, sind eng mit den Sinti verwandt. (manush heißt auf Romani Mensch)
  • Mechkara: Bärenführer auf dem Balkan.
  • Servika-Roma: altertümliches für Slowakische Roma, traditionell sesshafte Roma in der Slowakei, die einst aus Serbien eingewandert sind.
  • Sinti: leben vorwiegend in Deutschland, aber auch in Italien, Österreich, der Tschechischen Republik, Slowenien; Es gibt eine Theorie, dass die Bezeichnung sich von Sindh ableitet, dem alten Namen für das Gebiet des heutige Pakistan.
  • Ursari: (ehemalige) Bärenführer in Rumänien.
 
 
 
Der Zusammenhalt der Roma-Gemeinschaft wird traditionell durch verwandtschaftliche Beziehungen gestiftet.
 




Wichtigste Organisationsform und Basis des Gesamtsystems ist die Großfamilie. Bei den Kalderasch  heißt sie tséra (= Zelt), bei anderen osteuropäischen Roma satra ,hier merkt man auch wieder, dass die verschiedenen Roma-Dialekte viele Wörter haben aus dem Land in dem sie leben. ( "šator" auf serbisch = Zelt , satra (romanes) (ebenfalls: „Zelt“). Mehrere satra bilden bei den Kalderasch einen familiären Großverband. Mehrere Familienverbände derKalderasch ergeben eine vitsa.
 








Die Größe einer vitsa kann sehr unterschiedlich sein. Sie kann von zehn bis zu mehreren hundert satra reichen. Sie erweitert sich durch Heiraten zwischen den Teilverbänden. Die nächsthöhere Ebene ist die natia oder rasa, die jeweilige Roma-Subethnie in ihrer Gesamtheit, also der Kalderasch, der Manusch oder der Lowara. Bei den letzten wiederum lassen sich z. B. nur die drei Ebenen der Großfamilie, der tséra und der rasa unterscheiden, wobei im Inhalt die tséra sich mit der vitsa deckt. Der vitsa steht ein Ältester vor, der nach Ansehen, Autorität und Kompetenz gewählt wird, entweder auf eine bestimmte Zeit oder auch lebenslang. Er trägt einen Titel. Mit in Südosteuropa verwendeten Begriffen: baro (= Großer) (rom), sero (= Haupt, Fürst) (rom), kraljo (= Fürst), grofo usw. Er leitet den Altenrat mit dem er gemeinsam oder auch alleine alle wichtigen, die Gruppe betreffenden Beschlüsse, fasst. In der kris, einem Schiedsgericht, klären Roma auch heute noch Streitigkeiten innerhalb einer Gruppe. Traditionelle Roma legen Wert auf zahlreiche interne Regeln.
 
 
 
Die internationale Selbstbezeichnung
aller "Zigeuner" ist seit 1979 "Roma". Dies wurde bei der Welt-Organisation " Romani-Union" beschlossen, die auch bei den Vereinten Nationen in New York eingetragen ist. Das Lied "Gelem Gelem" wurde dort als gemeinsame Nationalhymne der Roma und Sinti gewählt...
 
(Die Roma-Flagge der IRU 1979)